Süßer Tod zum Nikolaus

Ein Geräusch lässt mich hochschrecken. Benommen schaue ich mich um. Etwas desorientiert, stelle ich fest, dass ich vor dem Fernseher eingeschlafen bin. Verdammt, nicht schon wieder! Draußen ist es schon dunkel. Ich fühle mich wie überfahren. Müde blicke ich zu einer vollbusigen Blondine mit aufgespritzen Lippen und unnatürlich aussehenden Haarextensions, die mich stöhnend auffordert, es ihr so richtig zu besorgen. Äh, nein! Ich greife nach der Fernbedienung, die halb unter mir gegraben liegt und bringe die Dame zum Schweigen. Wo ist mein Handy? Ich entdecke es schließlich neben der Couch auf dem Boden, zwischen ein paar Erdnussflips. Es ist kurz nach Mitternacht. Mühsam erhebe ich mich von meinem Zwischenschlaflager und schlürfe zerknirscht ins Bad. Auch wenn die Nacht fast vorbei ist, habe ich das Bedürfnis mir wenigstens die Zähne zu putzen und mein Gesicht zu waschen. Karies und Hautunreinheiten gehören jetzt nicht so zu meinen besten Freunden, muss ich zugeben.

Ich bin fast mit meiner Katzenwäsche fertig, als ich ein gurgelndes Röcheln vernehme. Was ist das? Ob das von der Heizung kommt? Mit Hilfe meiner auditiven Wahrnehmung versuche ich dem undefinierbaren Geräusch auf die Spur zu kommen. Es wird lauter. Wütender Lärm dringt an mein empfindliches Ohr und es läuft mir eiskalt den Rücken herunter. Plötzlich ein dumpfer Schlag gegen die Wand. Erschrocken zucke ich zusammen.

Jemand ist hier. Wie kann das sein? Ich bin hellwach. Mein Herz rast, wohin weiß ich nicht, und meine Atmung scheint sich zu überschlagen. Ich greife mir in der Eile den Fön, der mir wirkungsvoller erscheint, als das samtweiche dreilagige Klopapier oder die elektrische Zahnbürste. Langsam bewege ich mich vorwärts, den Fön wie eine geladene Waffe vor mir, bereit zu schießen…mit heißer Luft? Wohl nicht, aber im Notfall zieh ich dem Eindringling gern das gute Stück über den Schädel. Jeder Muskel in meinem Körper ist gespannt. Workout ist so wichtig! Ich lehne mich lautlos und vorsichtig gegen die Tür, doch sie lässt sich nicht öffnen. Irgendetwas scheint sie zu blockieren. Mit Hilfe meines kompletten Körpergewichtes, versuche ich sie aufzudrücken. Es geht verdammt schwer, aber ich gebe nicht auf. Der Schweiß steht mir auf der Stirn, als ich es schaffe, dass die Tür sich so weit öffnet, um mich mit dezent eingezogenem Bauch hindurchzuzwängen. Diese blöden Süßigkeiten immer zwischendurch. Aber sie sind so köstlich und ich so schwach… Ich schweife ab. Und dann sehe ich das ganze Ausmaß der Katastrophe. Ein fremder, korpulenter, älterer Herr liegt in meinem Flur. Tot. Das weiß ich natürlich, denn ich habe Atmung und Puls kontrolliert, sonst wüsste ich ja nicht das er tot ist. Panik kriecht in mir hoch.

„Frau Arbour, können Sie uns ein paar Fragen beantworten,“ fragt mich der junge Polizeibeamte der gerade in meine Küche kommt. Zaghaft und völlig mit den Nerven fertig nicke ich. „Sie haben im Flur einen Teller zu stehen, mit verdächtigen Krümeln. Was können Sie uns dazu sagen?“ Irritiert schaue ich ihn an. Will der mich verarschen? „Das ist der Teller für den Nikolaus, wir haben schließlich den 6.12.,“ entgegne ich genervt. „Geh ich richtig in der Annahme das, dass Erdnussplätzchen waren,“ entgegnet der Beamte mit einem anklagenden Unterton. „Äh…ja,“ nicke ich sicher. Ein Raunen geht durch meine Wohnung. Ein Polizist schüttelt entrüstet den Kopf und ich höre ein flüsterndes „unfassbar“ bis an mein Ohr dringen. „Frau Arbour, sie sind festgenommen!“ „Bitte was? Wieso das denn,“ mir entgleitet jegliche Selbstbeherschung aus dem Gesicht. „Wegen des Mordes am Nikolaus,“ sagt er bestimmt und verpasst mir binnen von Sekunden Handschellen. „Aber…wie,“ gebe ich entsetzt zurück. „Jeder weiß das der Nikolaus, neben seiner Laktoseintoleranz, auch eine Erdnussallergie hat. Wie konnten sie nur,“ klagt er mich vernichtend an. Ich bin fassungslos. „Sie Monster,“ schreit mich der kleine Nachbarsjunge, mit Tränen in den Augen an, als ich von den Beamten durch das Treppenhaus abgeführt werde.

Falls also jemand nichts zum Nikolaus bekommen hat, dass wäre dann möglicherweise meine Schuld, es sei denn jemand war nicht brav. Der gute Mann ist dahin, weil ich das wichtige Memo von seinen Allergien nicht bekommen habe.

Sorry und frohe Weihnachten!

😅🎄❄😜

 

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